Gesunderhaltung der Pflanzen im Öko-Apfelanbau

Der ökologische Obstbau ist ein ganzheitliches Anbausystem. Sein Ziel ist es, Stabilität und Biodiversität der Obstplantagen und angrenzenden Ökosysteme sowie die Bodenfruchtbarkeit zu erhöhen. Angestrebt wird eine Kreislaufwirtschaft, die von externen Mitteln möglichst unabhängig ist.

Natürlich mit Köpfchen: Drei starke Säulen für gesunde Früchte

Managementmaßnahmen

Um Schädlingsbefall und Krankheiten vorzubeugen, wählen wir standortgerechte, robuste Sorten, und richten unser Anbausystem so aus, dass der Befallsdruck von Krankheiten und Schädlingen reduziert wird und verwenden nur organische Dünger in der notwendigen Menge.

Förderung von Biodiversität

Artenvielfalt ist ein entscheidender Baustein zur Ge- sunderhaltung der Pflanzen und des Agrarökosystems. Wir erreichen sie, indem wir für nützliche Insekten wie Schwebfliegen, Wildbienen oder Schlupfwespen geeignete Lebensräume schaffen, wie z. B. Blühstreifen und Nisthilfen in der Obstanlage. Gleichzeitig fördern wir mit diesen Maßnahmen auch den Naturschutz (https://biodivobst.uni-hohenheim.de/projektteiloeko.html).

Bei Züchtung und Auswahl unserer Sorten achten wir auf größtmögliche genetische Vielfalt.

Direkte Regulierungsmaßnahmen

Die Pflege des Baumstreifens erfolgt mittels Bodenbearbeitung. Es werden auch natürliche Pflanzenbehandlungsmittel ausgebracht, um den Befall durch Krankheiten und Schädlinge zur reduzieren.

Diese drei Bausteine greifen in einem Gesamtsystem ineinander und können nur im Verbund zum Erfolg führen.

Bio-Obstbauern spritzen – aber anders

Chemisch-synthetische Substanzen bestehen aus völlig neuen Molekülen. Ihr Verhalten in komplexen Ökosystemen ist letztlich nie präzise vorhersehbar.

Auch die Wechselwirkungen synthetischer Stoffe untereinander sind unbekannt. Diese Risiken sind unkalkulierbar. Daher ist im Öko-Anbau der Einsatz solcher Mittel unerwünscht und nicht zulässig. Wegen ähnlich unkalkulierbarer Risiken wird auch die Gentechnik abgelehnt. Verantwortbar und bei uns zulässig ist nur der Einsatz von Stoffen natürlichen Ursprungs.

Aber auch Naturstoffe müssen das sorgfältige EU-weit geregelte Zulassungsverfahren durchlaufen, bevor sie als Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden dürfen. Die Eignung für den Ökolandbau wird dann noch einmal gesondert geprüft und beschieden.

 

Wie sieht das konkret in der Praxis aus?

Die Beikrautregulierung erreichen wir mechanisch durch Mulchen und Hacken. Herbizide, auch natürliche, sind nicht zulässig.

Der Fruchtbehang wird von Hand oder mit einem mechanischen Fadengerät reguliert. Zur Harmonisierung des Pflanzenwachstums schneiden wir und düngen maßvoll mit organischen Düngemitteln.

Zur allgemeinen Gesunderhaltung der Obstbäume werden Steinmehle, Molke, Algenextrakte, Aminosäuren, Schachtelhalm sowie bei Bedarf Spurenelemente wie Magnesium und Kalzium eingesetzt.

Krankheiten wirken wir entgegen, indem wir den Blattabbau im Herbst fördern. Den Befallsdruck von Schädlingen reduzieren wir durch Nützlinge (Nematoden) und Pheromone. Zur direkten Regulierung von Pilzkrankheiten verwenden wir mineralische Mittel wie Schwefel, Schwefelkalk, Kupfer in geringen Mengen, Kaliumhydrogenkarbonat (Backpulver) und Löschkalk. Bei Schädlingen kommen wenn nötig vor allem pflanzliche Mittel (Niem, Pyrethrum, Quassia) sowie mikrobielle Gegenspieler von Insekten zum Einsatz.

Auf die Sorte kommt es an!

Robuste, standortgerechte Sorten, aber auch die Sortenvielfalt sind im Bio-Obstbau sehr wichtig. Bio-Obstbauern haben wichtige Pionierarbeit bei der Einführung von schorfwiderstandsfähigen, sogenannten „Schowi“-Sorten geleistet, die weniger Pflanzenschutz benötigen, da sie weit seltener vom Schorfpilz befallen werden.

Bekannte leckere „Schowi“-Sorten sind Topaz, Santana und Natyra

Mit ökologischer Züchtung wollen wir auf der Basis alter und robuster Sorten neue Öko-Sorten entwickeln. http://www.apfel-gut.org/

Bio-Obstbauern sind Pioniere

So vielfältig wie die Betriebe sind auch die Anbaustrategien. Wir Bio-Obstbauern entwickeln unser Anbausystem ständig weiter, um den Grundprinzipien des Bio-Anbaus immer besser gerecht zu werden.

Die Anfänge werden in der Forschung oft in Zusammenarbeit mit den Praktikern oder in den Betrieben selbst gemacht. Bio-Obstbauern leisten so Pionierarbeit, von der letztlich alle Erzeuger und natürlich die Verbraucher profitieren.

Faire Partnerschaften

Bioanbau braucht gerechte Preise. Mit dem Kauf von deutschem Bio-Obst zu fairen Preisen ermöglichen Sie es uns, mit und für die Natur zu arbeiten – und für Sie.

Fairness für Erzeuger, Handel, Verbraucher und für die Natur – dazu gehört es auch, dass die Äpfel nicht alle gleich aussehen müssen, sondern der Handelsnorm Klasse II entsprechen dürfen.

Der makellose Hochglanz-Bilderbuchapfel gehört ins Bilderbuch. Der natürlich gewachsene Apfel ist für Ihre Gesundheit und Ihren Genuss!

 

Diese kompakten Infos als Flyer

 

Ausführliche Informationen
Für Fachleute oder für die, die es ganz genau wissen wollen

Da der Ökologische Obstbau als Dauerkultur auch innerhalb des Ökologischen Landbaus ein sehr spezifischer Bereich ist, wurden wir immer wieder gebeten, die Strategie zur Gesunderhaltung unserer Kulturpflanzen ausführlich darzustellen. Dieses Projekt sind wir für den Ökologischen Apfelanbau angegangen. Mit den vorliegenden Broschüren soll anhand von Praxisdaten nunmehr im dritten Jahr transparent aufgezeigt werden, welche Maßnahmen und welche Strategien zur Gesunderhaltung der Kulturpflanzen im Ökologischen Obstbau auf den Betrieben praktiziert werden.

Die ganze lebendige Vielfalt der Betriebstypen, der Regionen, der Strategien und Innovationen kann in einer Gesamtübersicht nur ansatzweise dargestellt werden. Diese Broschüren sollen daher vor allem eine erste Basis für eine intensive und fruchtbare Diskussion mit allen darstellen, die sich für die Praxis der Gesunderhaltung der Kulturpflanzen im Ökologischen Obstbau interessieren.